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Wie anfällig sind die neuen Freiburger Spätburgunder-Klone gegen Botrytis? (DBW 12/2004)

Was tut sich bei Spätburgunder Klonen! (DBW 12/2006)

Was tut sich bei Spätburgunder Klonen! (DBW 01/2007)

Teils sehr ungleiche Abreife (DBW 03/2008)

Blauer Spätburgunder

Herkunft:

Der Spätburgunder gehört zu Burgunderfamilie. Die Unterschiede zum Ruländer und Weißburgunder sind so gering, dass sie bis heute nur an der Färbung der Trauben zu unterscheiden sind. Der Name lässt schon ahnen, dass diese Familie aus dem französischen Burgund nach Deutschland gekommen ist. Der Spätburgunder liefert in den etwas kühleren Regionen die besten Rotweine.

Synonyme:

Pinot noir, Blauburgunder, Klevner

Lageansprüche:

Der Spätburgunder stellt mittlere bis hohe Ansprüche an die Lage. In geringen Lagen entwickelt er zu wenig Alkohol, und die Säure bleibt sehr hoch.

Verbreitung:

Der Spätburgunder ist die Rotweinsorte der gemäßigten Klimate, dementsprechend findet man ihn vor allem in den kühlen Gebieten Frankreis (Burgund und Champagne), in Deutschland, Österreich, Schweiz, Nordamerika und Norditalien.

Klone:

Der Spätburgunder ist eine sehr variable Sorte, deshalb gibt es hier auch sehr viele Klone mit auch wirklich deutlichen voneinander unterschiedlichen Merkmalen. Die neuesten Züchtungsziele sind kleinbeerig, mischbeerig und lockerbeerig.

Grob kann man die Klone wie folgt zusammenfassen:

traditionelle Klone

Lockerbeerige Klone

mischbeerige Klone

kleintraubige dichtbeerige Klone

senkretchtwachsende Klone

Mariafeld Typen

nicht-Mariafeld Typen

dichtbeerig

etwas locker

FR 52-86

FR 12 L

Gm 1er

Gm 20er

115

FR 17er

FR 16er

F 105

FR 13 L

 

FR 14er

777

Gm 2er

 

F 105-S

We M1

 

FR 18er

828

 

 

Classic

We M 242

 

 

FR 19er

 

 

Charisma

 

 

 

FR 10

 

 

Vision

 

 

 

 

 

 

20 Gm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Traditionelle Klone

Als traditionelle Klone verstehen wir solche, welche von ihrer Traubenform an die Spätburgunder wie wir sie schon lange kennen erinnern. Einige Vertreter dieser Gruppe werden oder wurden oft als Standardklon betitelt, da sie früher oder teilweise auch immer noch in einem sehr großen Umfang angebaut werden.

FR 52-86

Dieser Klon des Weinbauinstitutes in Freiburg war bis etwa Mitte der 90er Jahre der meistgepflanzte Klone in Baden. Ein sicheres Ertragsniveau und gute Weinbeurteilungen waren die Hauptgründe dafür. Die relativ starke Botrytisneigung hat aber dazu geführt, dass er immer mehr an Bedeutung verloren hat, und heute nur noch sehr selten neu angepflanzt wird. Wenn man das Problem mit Botrytis durch Maßnahmen wie z.B. Traubenteilen oder Giberellineinsatz vermindert, ist er aufgrund seiner guten Weinbeurteilungen immer noch eine gute Alternative.

Frank 105

Dies ist ein älterer Klon von Reinhard Frank. Er ist wohl immer noch einer der lockersten Frank Klone. Sein Nachteil liegt in der starken Verrieselungsanfälligkeit, so dass es in Jahren mit schlechter Blüte oder bei zu wüchsigen Anlagen zu starken Verrieselungsschäden kommen kann. Er wurde in neuerer Zeit fast vollständig von dem Nachfolger Frank 105-S verdrängt.

Frank 105-S

Dies ist ein Klon von Reinhard Frank. Es ist eine Selektion aus dem ursprünglichen Klon Frank 105 und wurde anfangs unter der Nummer F 105/54 geführt.

Diesen Klon konnte man bis 2006 wohl als Standardklon in Baden bezeichnen. Er liegt von den Mostgewichts- und Ertragsdaten sehr eng bei dem FR 52-86. Im Gegensatz zu diesem hat er aber deutlich weniger Botrytis.

Frank Classic

Dieser Klon ist eine Selektion aus dem früher etwas verbreiteten Klon Frank 106. Dieser war relativ grossbeerig aber leider auch sehr dichtbeerig, so dass er große Probleme mit Botrytis hatte. Er wird deshalb auch schon seit Jahren nicht mehr angebaut. Dieser Klon wurde Anfangs unter der Nummer F 106/10 geführt. Er ist deutlich lockerer als der 106er. Diese Lockerheit zeigt sich jedoch oft erst ab dem fünften Standjahr.

Frank Charisma

Dies ist eine Selektion aus dem Frank 105. Er ähnelt doch sehr dem Klon Frank 105-S. Lediglich im Ertrag scheint er etwas unter diesem zu liegen. Diese Klon wurde anfangs unter der Nummer F 105/7/3 geführt.

Frank Vision

Der Klon Vision ist eine Selektion aus dem Klon Frank 105. Er wirkt in unseren Beständen eher noch lockerer als der F 105-S und vom Ertragspotential eher unter diesem. Es ist eine relativ neue Selektion. Er wurde anfangs unter dem Namen F 105/7/5 geführt. In extrem schlechten Blütejahren kann er auch mal zu starkem verrieseln neigen. Erträge von unter 100 kg/ar sind bei uns jedoch noch nie aufgetreten. Nach unserer Meinung eine Selektion die man im Auge behalten sollte.

Lockerbeerige Klone

Mariafeld Typen:

Als Mariafeld Typen werden Klone bezeichnet, welche einer Spielart der Spätburgunders entstammen, welche ursprünglich in der Schweiz beheimatet war. Diese Gruppe zeichnet hebt sich allgemein durch eine starkes Wachstum, längere und lockere Trauben, größere Beeren und eine höhere Säure von den traditionellen Klonen ab. Sie wurden ab Ende der 80er Jahre vermehrt gepflanzt. Teilweise sind sie jedoch aufgrund ihrer höheren Säure und etwas schlankerem Wein umstritten.

Man muss Ihnen jedoch auf jeden Fall zugute halten, dass sie als Sicherheit für Rotwein auch in Jahren mit hohem Botrytisbefall gesehen werden können.

Außerdem eignen Sie sich aufgrund der guten Säure auch sehr gut für die Bereitung von Sekt oder Roséweinen.

FR 12 L

Dieser Klon des Weinbauinstitutes in Freiburg ist ein typischer Vertreter der Mariafeld Typen. Mit einem sehr lockeren Traubengerüst und relativ großen Beeren bekommt er nur sehr selten Botrytis. Er ist sehr lockerbeerig.

FR 13 L

Dieser Klon zeichnet sich im Gegensatz zu dem FR 12 L durch einen etwas noch höheren Ertrag aber auch durch eine etwas niedrigere (0,5 - 1 g/l) Säure aus. Ansonsten kann man sie als fast identisch einstufen.

We M 1

Die ist das entsprechende Pendant der LVWO Weinsberg.

nicht Mariafeld Typen

Diese Klone entstammen nicht dem Mariafeld, sind jedoch auch groß und lockerbeerig.

Sie haben eine geringere Säure als die Mariafeld Typen.

Gm 1er Gruppe

Dieser Gruppe gehören alle Spätburgunder Klone der Forschungsanstalt Geisenheim, welche mit "1-" beginnen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Klonen dieser Gruppe ist sehr gering.

Gm 1-1
Gm 1-44
Mischbeerige Klone

Die Klone dieser Gruppe zeichnen sich durch Trauben mit Beeren verschiedenster Größen auf. Dies nennt man dann mischbeerig. Vor allem die kleinen oft jungfernfrüchtigen Beeren bewirken eine gewisse Lockerheit und aufgrund dessen auch eine verminderte Botrytisanfälligkeit.

Zudem sorgen die sehr kleinen Beeren aufgrund ihres sehr guten Schalen/Saft Verhältnisses für farbkräftige körperreiche Rotweine.

Gm 20er Gruppe

Diese Klone der Forschungsanstalt Geisenheim verrieseln gern, und haben deshalb immer mehr oder weniger viele kleine Beeren.

Aufgrund der Verrieselungsanfälligkeit sollte er jedoch nicht auf zu triebige Böden oder zu starke Unterlagen gepflanzt werden.

Gm 20-13

Dies ist ein typischer Vertreter dieser Gruppe. 

 

Gm 20-16

Die Trauben dieses Klons sind relativ kurz, und wirken deshalb oft als wenn man sie geteilt hätte.

Gm 20-19

Dieser Klon ähnelt dem 20-13 Gm sehr stark. In manchen Jahren kann er jedoch noch ein bisschen extremer verrieseln als dieser.

Gm 20-20
Freiburg 14er Gruppe

Diese Gruppe zeigt die typischen Merkmale der mischbeerigen Klone, jedoch meist nicht ganz so ausgepägt wie z.b. 20-13 Gm.

Ursprünglich bestand diese Gruppe aus folgenden Klonen:

Name

alter Name

FR 1401

EA 86-1

FR 1402

EA 86-3

FR 1403

EA 86-6

FR 1404

EA 86-11

FR 1405

EA 94-062

FR 1406

EA 96-126

 

Aus dieser Gruppe wird aber wohl in Zukunft nur noch der FR 1401 weiter vermehrt werden. Da er der beste dieser Gruppe ist.

FR 1401
Freiburg 18er Gruppe

Zu den Merkmalen der mischbeerigen Typen hat diese Gruppe noch sehr aromatische Beeren. Dies zeigt sich nachher auch in sehr gehaltvollen, farbkräftigen Rotweinen. Eine der wohl verheißungsvollsten neuen Klone des Weinbauinstitutes in Freiburg.

Ursprünglich umfasste diese Gruppe folgende Klone:

Name

alter Name

FR 1801

EA 94-27

FR 1802

EA 94-28

FR 1803

EA 94-29

Auch aus dieser Gruppe wird wahrscheinlich in Zukunft nur noch der FR 1801 weitervermehrt werden.

FR 1801

Dieser Klon hat sich seit etwa 2007 zum meistgepflanzten Spätburgunderklon in Baden entwickelt.

Die gute lockerbeerigkeit und der etwas niedrigere aber doch gute Ertrag sind gepaart mit sehr guten Weinbeurteilungen, sehr guten Mostgewichten und sehr guter Farbausprägung sind der Grund dafür.

Kleintraubige dichtbeerige Typen

Dies Typen zeichnen sich durch kleinere meist ungeschulterte Trauben aus. Sie sind jedoch fast allesamt dichtbeerig und deshalb auch sehr Botrytisanfällig.

Pinot 115

Dies ist ein alter Klon aus Burgund mit sehr guten Weinbeurteilungen. Er war dort früher für einen Großteil der guten Burgunder verantwortlich.

Aufgrund der starken Botrytisanfälligkeit ist er jedoch in Deutschland nur sehr wenig verbreitet.

Pinot 777

Dies ist eine Selektion aus dem 115. Er ist etwas lockerer als dieser, wobei die Weinbeurteilungen diesem nicht nachstehen.

Aufgrund seiner frühen Reife und der sehr guten Weinbeurteilungen wird er vorwiegend zur Herstellung von qualitativ sehr hochwertigen Rotweinen, oft auch mit Barriqueausbau, verwendet. Das Ertragspotential liegt deutlich unter den Standardklonen.

 

Pinot 828

Dies ist ein neuerer Qualitätsklon aus Frankreich.

Freiburg 19er Gruppe

Diese Gruppe aus dem Weinbauinstitut in Freiburg bestand aus folgenden Klonen:

Name

alter Name

FR 1901

EA 79-80

FR 1902

EA 79-83

FR 1903

EA 96-132

FR 1904

EA 96-138

FR 1905

EA 96-143

In dieser Gruppe wurden die neueren kleinbeerigen, dichten Typen zusammengefaßt. Aufgrund der hohen Botrytisanfälligkeit werden diese Klone voraussichtlich nicht mehr weiter vermehrt werden.

FR 10

Dies ist ein älterer kleintraubiger, dichtbeeriger Klon aus dem Weinbauinstitut in Freiburg. Er wurde in den Weinverkostungen immer gut bewertet, hat aber Probleme wie alle in dieser Gruppe mit Botrytis. Deshalb wird er auch kaum noch gepflanzt.

Senkrechtwachsende Klone

Senkrechtwachsend nennt man Klone welche ohne große Heftmaßnahmen relativ senkrecht nach oben wachsen (Pinot droit). Die Laubarbeiten werden hier deutlich vereinfacht. Sie haben außerdem die Eigenart, dass die Blätter mehr nach oben stehen, und somit die Traubenzone relativ frei von Blättern ist.

senkrechtwachsende dichtbeerige Klone
Freiburg 17er Gruppe

Diese Gruppe bestand aus folgenden Klonen

Name

alter Name

FR 1701

EA 79-82

FR 1702

EA 91-01

FR 1703

EA 96-124

FR 1704

EA 96-127

FR 1705

EA 96-128

FR 1706

EA 96-130

FR 1707

EA 95

FR 1708

FR 10 A


Die hohe Botrytisanfälligkeit sorgte auch bei dieser Gruppe dafür, dass sie wohl kaum noch weitervermehrt wird. Wer die Vorteile der Senkrechtwachsenden nutzen will, nimmt nun meist die 16er Gruppe.

 

Geisenheim 2er Gruppe

Dies sind die Geisenheimer Vertreter der senkrechtwachsenden Gruppe.

Gm 2-2
Gm 2-6
etwas lockerbeerig senkrechtwachsende Gruppe
Freiburg 16er Gruppe

Diese Gruppe besteht auf folgende Klonen:

Name

alter Name

FR 1601

EA 86-8

FR 1602

EA 86-10

FR 1603

EA 86-13

FR 1604

EA 86-14

FR 1605

EA 96-066

FR 1606

EA 96-093

Diese Gruppe vereint die Vorteile der Senkrechtwachsenden mit einer etwas lockeren Traubenform. Dieser Lockerheit ist jedoch längst nicht so ausgeprägt wie etwa bei den mischbeerigen Typen. Im Moment werden aufgrund der Verkostungsergebnisse die Klone FR 1602, FR 1603 und FR 1604 favorisiert.

FR 1602
FR 1603
FR 1604